Wie gefährlich sind geschätzte Steuerbescheide?

Wer seine Steuererklärungen trotz Mahnung hartnäckig nicht abgibt, bei dem schätzt das Finanzamt früher oder später die Besteuerungsgrundlagen.

Einspruch notwendig? Falls der Schätzungsbescheid keinen Vermerk des „Vorbehalts der Nachprüfung nach § 164 AO“ enthält, muss innerhalb eines Monats Einspruch eingelegt werden. Sonst wird selbst eine zu hoch erfolgte Schätzung bestandskräftig, und man muss die zu hohen Steuern auch dann zahlen, wenn man eine Steuererklärung mit niedrigerem Gewinn nachreicht.

Ausnahme: Das Finanzamt unterstellt Ihnen ohne jeden Anhaltspunkt Einkünfte einfach so ins Blaue hinein. Gerichtlich entschieden wurde das für den Fall von Zinsen in Höhe von 150.000 Euro, die das Finanzamt „frei erfunden“ hatte, um den Steuerzahler unter Druck zu setzen. Solch eine (Fehl-)Schätzung ist nichtig und wird nicht rechtswirksam (FG Münster, 25.04.06, 11 K 1172/05, EFG 2006, 1130). Das ist aber der Ausnahmefall – sonst werden auch Schätzungen mit Sicherheitszuschlag bestandskräftig, sofern Sie nicht Einspruch einlegen.

Tipp: Legen Sie Einspruch immer am Ende der Einspruchsfrist ein, weil meist postwendend die Ankündigung des Finanzamts folgt, dass der Einspruch als unbegründet verworfen wird, wenn die Steuererklärung nicht eingereicht wird.

Schätzungsbescheid unter Vorbehalt der Nachprüfung:
Hier ist ein Einspruch nicht unbedingt zwingend, da man auch noch nach Ablauf der Einspruchsfrist die Änderung nach § 164 AO beantragen kann. Aber wehe, wenn das Finanzamt nach ein paar Monaten den „Vorbehalt der Nachprüfung“ aufhebt. Dann müssen Sie innerhalb eines Monats handeln (s. o.).

Verspätungszuschläge: Fast immer sind mit Schätzungsbescheiden Verspätungszuschläge verbunden. Hier ist es ratsam – aber erst nach dem Einreichen der Steuererklärung! -, persönlich oder telefonisch bei dem Finanzbeamten um gut Wetter zu betteln, da die Festsetzung von Verspätungszuschlägen (bis zur Obergrenze von zehn Prozent der festgesetzten Steuer) Ermessenssache ist. Wer hier gleich den Holzhammer auspackt, beißt beim Sachbearbeiter meist auf Granit. Ein bisschen Jammern unter Hinweis auf Krankheiten, Unglücksfälle usw. erweicht manch einen Beamten eher und bringt ihn dazu, den Verspätungszuschlag herabzusetzen – oder im Extremfall sogar komplett zu streichen, wenn es die erste Verspätung war.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering

Wann Sie nicht einfach so bei Kunden vorbeifahren sollten

Fahrtenbuchführer müssen ihre Fahrten in drei Gruppen unterteilen, und zwar folgende:

  • Rein berufliche Fahrten = ungekürzter Kosten-Abzug,
  • reine Privatfahrten = gar kein Abzug und
  • Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit = beschränkter Abzug.

Ärgerlich: Wenn man auf dem Weg in die Arbeit zu einem Kunden fährt bzw. auf dem Heimweg, unterliegen diese Fahrten der Abzugsbeschränkung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit. (FG Münster, 19.12.12, 11 K 1785/11, EFG 2013, 419)

Tipp: Lieber von der Wohnung zum Kunden fahren und wieder zur Wohnung zurück oder vom Betrieb zum Kunden und wieder zum Betrieb zurück, aber niemals auf dem Weg in den Betrieb oder auf dem Weg nach Hause zum Kunden. Dann kann man es so ins Fahrtenbuch eintragen.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering