Teure Fallen bei der steuerbegünstigten Erholungsbeihilfe

Einmal im Jahr kann man Mitarbeitern eine sozialversicherungsfreie Beihilfe geben, auf die nur 25 Prozent Pauschalsteuer fällig wird. Der Mitarbeiter kann 156 Euro bekommen und zusätzlich kann man drauflegen: für den Ehegatten 104 Euro und für jedes Kind 52 Euro.
Wenn beide Ehegatten im gleichen Betrieb arbeiten, kann jeder die vollen Beträge erhalten. Auch GmbH-Geschäftsführer können diese Leistung bekommen, sofern sie im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag vorgesehen ist und von der Gesellschafterversammlung genehmigt wurde.
Zwei Dinge dürfen allerdings nicht passieren:

1. Falle – Betragsgrenze überschreiten: Die Regelung im § 40 Abs. 2 Nr. 3 EStG ist eine Freigrenze. Ein Euro Überschreitung führt also zur vollen Steuer- und Sozialversicherungspflicht. Das kann vor allem passieren, wenn man ein Kind berücksichtigt, welches seine Ausbildung schon beendet hat und damit nicht mehr als „Kind“ gilt.

2. Falle – Beträge mehrmals im Jahr ausbezahlen:
Wer im Sommer und zu Weihnachten eine Erholungsbeihilfe in der genannten Höhe gewährt, der überschreitet ebenfalls die Betragsgrenzen. Ergebnis: Volle Steuer- und Sozialversicherungspflicht.

3. Falle, die gar keine ist? Laut Gesetzeswortlaut sollen Sie „sicherstellen, dass das Geld zu Erholungszwecken verwendet wird“. Das ist natürlich gar nicht möglich, ohne dem Mitarbeiter hinterher zu spionieren. Daher wurde bereits gerichtlich festgestellt, dass man diese Anforderung folgenlos miss¬achten kann (FG Köln, 04.06.96, EFG 1997, 110). Problematisch ist allenfalls die Auszahlung in zwölf Monatsraten, wenn alle Mitarbeiter am Jahresende eine gleichlautende Formular-Erklärung „Ja, ich habe mich erholt.“ ausfüllen (FG Niedersachsen, 16.06.11, EFG 2012, 213). Unser Rat: Erholungsbeihilfe kurz vor dem Urlaub auszahlen mit Quittung „Ich verpflichte mich, die Erholungsbeihilfe zu Erholungszwecken einzusetzen.“. (Az. BFH XI R 55/11)

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering

Die Künstlersozialabgabe lauert, wo sie kaum einer vermutet

Die Künstlersozialabgabe ist eigentlich eine gute Erfindung, weil sie Künstlern einen Zugang zur Kranken- und Rentenversicherung ermöglicht. Höchst fragwürdig ist allerdings das Prinzip, dass Unternehmen auch für Leistungen Künstlersozialabgabe zahlen müssen, bei denen der „Künstler“ längst versichert ist und durch die Abgabe auch keinen weiteren Schutz erlangt.
Beauftragen Sie beispielsweise Ihren Schullehrer damit, für Ihre Kundenzeitschrift ein paar Beiträge über Ihr Unternehmen zu verfassen, so gilt das als „künstlerisch“ und Sie müssen für dieses Honorar 3,9 Prozent Künstlersozialabgabe zahlen (2013: 4,1 Prozent). Obwohl natürlich Ihr Lehrer niemals Leistungen aus der Künstlersozialkasse beziehen wird.

Weitere überraschende Beispiele für das Auftreten der Abgabepflicht:• ein selbstständiger Grafikdesigner macht Ihre Homepage neu,
• ein Designer entwirft eine neue Produktverpackung für Sie,
• ein Hotel engagiert regelmäßig einen Klavierspieler für die Hotelbar,
• ein pensionierter Beamter (nebenberuflich tätig und gar nicht über die Künstlersozialkasse versichert) schreibt Artikel für Ihre Firmenhomepage.

Tipp: Eine umfassende Informationsschrift der Künstlersozialkasse, die alle nur denkbaren abgabepflichtigen Tätigkeiten nennt, finden Sie hier zum Download .

Schummeln kann teuer werden: Wer sich „künstlerische“ Leistungen einkauft, ohne die Abgabe zu zahlen, riskiert im Extremfall ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Tipp: Wird eine GmbH tätig (also eine Designer-GmbH statt eines Einzelunternehmer-Designers) so entfällt die Künstlersozialabgabe für den Auftraggeber.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering

Vorsicht bei Mitarbeiternamen in der Rechnung

Bei Online-Bestellungen wird oftmals der Name des bestellenden Mitarbeiters abgefragt. Manchmal taucht dieser dann an kurioser Position in der Rechnungsadresse wieder auf.
Beispiel:
Frau Andrea Muster
Mustermann GmbH
Muster Straße 123
80331 München

Problem: Hier stellt sich die Frage, ob diese Rechnung nun an Frau Andrea Muster oder an die Mustermann GmbH gerichtet ist. Der Bundesfinanzhof sieht die Sache eigentlich gar nicht einmal so streng und urteilt: „Es ist jede Bezeichnung ausreichend, die eine eindeutige und leicht nachprüfbare Feststellung des Namens und der Anschrift des Leistungsempfänger ermöglicht.“ (BFH, 02.04.97, V B 26/96, BStBl. 97 II, 443)

Verwechslungsgefahr muss ausgeschlossen sein: Es muss die Gefahr ausgeschlossen sein, dass ein- und dieselbe Rechnung von zwei Unternehmern geltend gemacht wird.

Höchst problematisch wird es z. B., wenn es nun in München eine Einzelfirma „Andrea Muster“ gibt und fraglich ist, ob nun diese Rechnung an die Mustermann GmbH oder an diese Einzelfirma gerichtet war.

Unser Rat: Vermeiden Sie derlei Diskussionen von vornherein. Völlig unproblematisch wäre z. B. folgende Adressierung:
Mustermann GmbH
z. Hd. Frau Andrea Muster

Hier ist jede Diskussion mit einem Prüfer ausgeschlossen. Vorsicht: Definitiv keinen Vorsteuerabzug gibt es bei Rechnungen, die nur an den Mitarbeiter gerichtet sind, wie das gerade bei Hotelübernachtungen immer wieder vorkommt.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering

Bei kostenloser Wohnungsüberlassung: Schenkungssteuer?

Kostet eine kostenlose Wohnungsüberlassung Schenkungssteuer? Das kommt darauf an, ob man zum Unterhalt der betreffenden Person verpflichtet ist. Falls ja, fällt keine Schenkungsteuer an.

Beispiel: Vater überlässt gratis Wohnung an studierende Tochter. Sind Sie nicht zum Unterhalt der betreffenden Person verpflichtet (z. B. Wohnungsüberlassung an notorisch klammen Bruder), gilt die Gratis-Überlassung als Schenkung in Höhe der ersparten Miete.

Beachten Sie: Eine Steuerpflicht auf fiktive Mieten, die man gar nicht bekommen hat, gibt es nicht. Stets macht die kostenlose Überlassung aber den Abzug sämtlicher Kosten (Unterhaltskosten, Zinsen, Abschreibung) zunichte.

Ihr Steuerberater für Germering
Alfred Gesierich

Sonderabschreibung auch auf gebrauchte Wirtschaftsgüter

Die Sonderabschreibung nach 7g EStG (20 Prozent) ist seit 2007 auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter möglich. Das wird jedoch häufig vergessen. Tipp: Sie könnten diese Sonderabschreibung ein oder zweimal aufs Neue in Anspruch nehmen, indem Sie Wirtschaftsgüter (z. B. Autos) mit einem befreundeten Unternehmen hin und her handeln. Denn bei jeder neuen Anschaffung gibt es die Sonderabschreibung wieder von Neuem. Das Gleiche wäre theoretisch auch möglich bei zwei rechtlich selbständigen Gesellschaften ein und desselben Gesellschafters.
Achtung: Es muss einen wirtschaftlichen Grund für den Besitzwechsel geben. Wenn den Beteiligten auf Nachfrage des Finanzamts als einzige Begründung einfällt: „Wir wollten Steuern sparen!”, wird das Ganze als „Miss¬brauch von Gestaltungsmöglichkeiten“ (§ 42 AO) nicht anerkannt.

Übrigens: Für den geplanten Erwerb eines gebrauchten Wirtschaftsguts können Sie drei Jahre vorher bereits 40 Prozent Investitionsabzugsbetrag (IAB) geltend machen. Voraussetzung für Sonderabschreibung und IAB: Ihr Betrieb hat maximal 235.000 Euro Eigenkapital.

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering

Wie Sie Unterschlagungen in Ihrem Betrieb verhindern

Bisweilen liest man in der Zeitung Meldungen wie folgende: „Die Firma XY musste Insolvenz anmelden, da die Buchhalterin über viele Jahre hinweg 300.000 Euro unterschlagen hatte.“ Jeder fragt sich da: Wie ist so etwas möglich? Und wie kann so etwas verhindert werden? Ein Vieraugenprinzip wirkt Wunder: Die Bearbeitung von Lieferscheinen einerseits und Rechnungsschreibung bzw. Überweisung andererseits sollten jeweils von zwei verschiedenen Personen ausgeführt werden.

Manipulationsmöglichkeit beim Rechnungsausgang: Wenn dieselbe Person für Lieferscheine und Rechnungsschreibung zuständig ist, könnte es sein, dass sie das Doppel des Lieferscheines wegschmeißt und z. B. eine Rechnung mit erheblichem Nachlass verschickt, wofür sich dann der Kunde heimlich „erkenntlich zeigt“. Oder noch dreister: Der Liefervorgang wird EDV-mäßig wieder storniert und eine Rechnung geschickt, auf der die eigene Bankverbindung angegeben wird. Es sollte also so sein, dass derjenige, der die Ware auf den Weg schickt, die Lieferung in der EDV unveränderlich so erstellt, dass sie nicht mehr storniert werden kann. Ein Externer kann dann leicht überprüfen, ob wirklich zu jeder Lieferung die korrekte Rechnung geschrieben wurde.

Manipulationsmöglichkeit beim Rechnungseingang: Hier muss sichergestellt werden, dass es zu jeder Rechnung einen Lieferschein gibt, der von jemand anderem als der Buchhaltung kontrolliert wurde. Sonst besteht diese Manipulations-Möglichkeit: Der Buchhalter gründet Fantasiefirmen, schickt an seinen Arbeitgeber Rechnungen, die er selbst abfängt, abzeichnet und sodann das Geld an sich selbst anweist. Darf hingegen keine Überweisung angewiesen werden, ohne dass Rechnung und Lieferschein untrennbar verbunden sind, wobei der Lieferschein von einer anderen Person geprüft wurde, ist diese Manipulationsmöglichkeit ausgeschlossen.

Fazit: Das Vieraugenprinzip vermeidet Manipulationen und Unterschlagungen in Ihrem Betrieb.

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Germering